Titandioxid
Titandioxid ist ein mineralisches Oxid mit der Formel TiO₂. Seine INCI lauten Titanium Dioxide und CI 77891; als Lebensmittelzusatzstoff trägt es die Nummer E171.
Es ist das weltweit meistverwendete Weisspigment über alle Branchen hinweg — Farben, Kunststoffe, Papier, Kosmetik. Sein Deckvermögen ist aussergewöhnlich: Es reflektiert Licht mit einer Wirksamkeit, die kein anderes Weisspigment erreicht.
Gewonnen wird es aus Erzen wie Ilmenit und Rutil und anschliessend gereinigt. Australien, Südafrika, Kanada und China sind die wichtigsten Produzenten.
Zwei verschiedene Funktionen
Das ist der Schlüssel zum Verständnis seiner Präsenz in einer INCI.
Als Pigment sorgt es für Deckkraft und Weisse. Man findet es in Foundations, Pudern, Zahnpasten und Seifen, wo es die natürliche Farbe der Rohstoffe überdeckt.
Als UV-Filter wirkt es, indem es ultraviolette Strahlung reflektiert und streut, statt sie zu absorbieren — anders als organische Filter. Es wird dann gesondert in der Filterliste mit genauer Konzentration deklariert.
Ein und derselbe Stoff, zwei rechtlich unterschiedliche Rollen — und zwei Arten, auf dem Etikett zu erscheinen.
Die Frage der Nanopartikel
Das wirft die meisten Fragen auf und verdient eine Erklärung.
In klassischer Form hinterlässt Titandioxid einen sichtbaren weissen Film auf der Haut — der «Weisseleffekt» älterer mineralischer Sonnencremes.
Um ihn zu verringern, greift die Industrie auf Partikel in Nanogrösse zurück, die sichtbares Licht weniger streuen, ihre Wirkung auf UV-Strahlen aber behalten. Das Ergebnis ist deutlich transparenter.
Die Gesetzgebung verlangt, solche Partikel mit dem Vermerk [nano] in der Zutatenliste kenntlich zu machen. Ein Produkt mit Titanium Dioxide [nano] enthält also Nanopartikel, und die Information ist ausdrücklich.
Titandioxid-Nanopartikel werden von den zuständigen Behörden bewertet, mit Anwendungseinschränkungen — namentlich dem Verbot in einatembaren Produkten wie Sprays.
Beschichtet oder unbeschichtet
Eine weniger bekannte, aber für die Formulierung wesentliche Unterscheidung.
Rohes Titandioxid ist photokatalytisch: Unter UV-Einwirkung kann es reaktive Spezies bilden, die andere Bestandteile der Rezeptur abbauen.
Für Sonnenschutz bestimmte Qualitäten sind daher beschichtet — mit Kieselsäure, Aluminiumoxid oder Stearat —, um diese Reaktivität zu neutralisieren. Die Beschichtung erscheint in der INCI im Anschluss an das Pigment: Titanium Dioxide, Silica oder Titanium Dioxide, Alumina, Stearic Acid.
Das ist ein echtes Qualitätsmerkmal: Unbeschichtetes Titandioxid in einem Sonnenschutzmittel wäre ein Formulierungsfehler.
E171: das Verbot in Lebensmitteln
Zwei Verwendungen sind klar zu trennen.
Als Lebensmittelzusatzstoff unter der Nummer E171 diente Titandioxid dem Weissen von Süsswaren, Kaugummi und industriellem Gebäck. Nach einer europäischen wissenschaftlichen Neubewertung wurde seine Verwendung in Lebensmitteln 2022 in der Europäischen Union untersagt, da die Sicherheit bei Aufnahme nicht mehr gewährleistet werden konnte.
Dieser Entscheid betrifft die Aufnahme. Auf die äusserliche kosmetische Anwendung ist er nicht anwendbar; diese unterliegt einer eigenen Bewertung und bleibt zulässig.
Zahnpasten bilden einen Zwischenfall, da sie ausgespuckt werden. Die Schweiz folgt in diesen Fragen ihrer eigenen Gesetzgebung; für den genauen Stand des anwendbaren Rechts ist auf die offiziellen Texte abzustellen.
Anwendung in der Kosmetik
Als Filter findet man es in mineralischen Sonnenschutzprodukten, allein oder zusammen mit Zinkoxid, sowie in Tagespflege mit integriertem Schutz.
Als Pigment steckt es im Make-up — Foundations, Puder, Lidschatten —, in Zahnpasten und in manchen Seifen.
Schliesslich dient es als Beschichtung von Perlglanzpigmenten auf Glimmer-Basis, wo es die farbigen Interferenzeffekte erzeugt.
Vorsichtsmassnahmen
Als sehr feines Pulver kann Titandioxid bei der Handhabung eingeatmet werden. Staubwolken sind zu vermeiden und es sollte in einem belüfteten Raum gearbeitet werden.
Diese Vorsichtsmassnahme betrifft den Rohstoff. Ein Fertigprodukt, in dem das Pigment in einer Formulierung gebunden ist, birgt dieses Risiko nicht — das ist auch der Grund für das Verbot in Sprays.
Auf der Haut aufgetragen wird es gut vertragen, Reaktionen sind selten. Das erklärt seinen Platz in Sonnenschutzmitteln für empfindliche Haut und für Kinder.
Bei Fragen zum geeigneten Sonnenschutz in einer besonderen Situation ist ärztlicher oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Mineralisch und chemisch stabil, baut es sich nicht ab. Es hält sich unbegrenzt in verschlossenem Gefäss, vor Feuchtigkeit geschützt. In einem Fertigprodukt bestimmt die Formulierung die Haltbarkeit, nicht das Pigment.
Häufige Fragen
Warum steckt Titandioxid in meinem Sonnenschutz?
Es ist ein mineralischer Filter: Es reflektiert und streut UV-Strahlen, statt sie zu absorbieren, anders als organische Filter.
Was bedeutet der Vermerk [nano]?
Dass das Produkt Partikel in Nanogrösse enthält, die den Weisseleffekt verringern. Die Gesetzgebung verlangt diesen Hinweis.
Betrifft das Lebensmittelverbot auch Kosmetik?
Nein. Das E171-Verbot betrifft die Aufnahme. Die äusserliche kosmetische Anwendung unterliegt einer eigenen Bewertung und bleibt zulässig.
Warum nennt die INCI im Anschluss weitere Stoffe?
Weil das Pigment beschichtet ist — mit Kieselsäure, Aluminiumoxid oder Stearat —, um seine Reaktivität unter UV zu neutralisieren. In einem Sonnenschutzmittel ein Qualitätsmerkmal.
Hinterlässt es einen weissen Film?
In klassischer Form ja. Mikronisierte oder nanoskalige Qualitäten verringern diesen Effekt stark.
Eignet es sich für empfindliche Haut?
Es wird gut vertragen und Reaktionen sind selten, daher sein Platz in Sonnenschutzmitteln für reaktive Haut und für Kinder.
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