Glycerin
Glycerin oder Glycerol ist ein Alkohol mit drei Hydroxylgruppen. Es liegt als farblose, geruchlose Flüssigkeit von sirupartiger Konsistenz und süsslichem Geschmack vor.
Seine chemische Struktur erklärt seine zentrale Stellung in der Formulierung: Es ist das Grundgerüst sämtlicher Triglyceride, also aller Öle und Fette. Drei Fettsäuren an einem Glycerolmolekül — das ist ein Fett.
Ein Nebenprodukt der Seifenherstellung
Von dort stammt es historisch. Wird ein Öl verseift, trennt die Lauge die Fettsäuren vom Glycerol: Erstere werden zu Seife, Letzteres wird frei. Eine kaltgerührte Seife behält dieses Glycerin im Stück — das unterscheidet sie von Industrieseifen, denen es zum Weiterverkauf entzogen wird.
Gewonnen wird es ausserdem durch Hydrolyse von Fetten und heute auch als Koppelprodukt der Biodieselherstellung.
Pflanzlich, tierisch oder synthetisch
Die INCI nennt schlicht Glycerin, ohne Angabe der Herkunft. Dabei bestehen drei Wege nebeneinander.
Pflanzliches Glycerin stammt aus pflanzlichen Fetten, meist Palm-, Kokos- oder Rapsöl. Das ist der Normalfall in der Naturkosmetik, und der Hinweis «pflanzlichen Ursprungs» steht in der Regel auf der Verpackung, wenn der Marke daran gelegen ist.
Tierisches Glycerin aus Talg kommt in bestimmten industriellen Wertschöpfungsketten noch vor.
Synthetisches Glycerin auf Propylenbasis bleibt in der Minderheit.
Das fertige Molekül ist in allen drei Fällen identisch und trägt keine Spur seiner Herkunft. Nur die Angabe des Herstellers gibt Aufschluss — was für eine vegane oder zertifizierte Formulierung zählt.
Wie es wirkt
Glycerin ist ein Feuchthaltemittel: Es zieht Wasser an und hält es fest. Seine drei Hydroxylgruppen gehen Bindungen mit Wassermolekülen ein, wodurch es eine erhebliche Menge davon binden und in der Rezeptur halten kann.
Diese Eigenschaft hat eine praktische Grenze: Über etwa 10 bis 15 % hinaus kehrt sich der Effekt um und die Textur wird klebrig und unangenehm. Seriöse Formulierungen bleiben deshalb im Bereich von 3 bis 10 % — entgegen der Vorstellung, mehr sei besser.
Bei sehr trockener Luft kann sich zu hoch dosiertes Glycerin zudem anders verhalten als erwartet, ein weiterer Grund, bei den üblichen Dosierungen zu bleiben.
Anwendung in der Kosmetik
Es steckt in einem beträchtlichen Teil des Sortiments: Gesichtspflege, Körperpflege, Handpflege, Haarpflege, Zahnpasten und Seifen. In INCI-Listen steht es häufig an zweiter oder dritter Stelle, direkt nach dem Wasser.
Es erfüllt mehrere Aufgaben zugleich: Feuchthaltemittel, Lösungsmittel für bestimmte Wirkstoffe und Texturgeber.
Für die Eigenherstellung wird es in der Wasserphase mit Basiszutaten und Hydrolaten verwendet. Es konserviert nicht: Eine wasserhaltige Zubereitung verlangt ein Konservierungsmittel.
Weitere Verwendungen
Glycerin dient auch als Lebensmittelzusatzstoff unter der Nummer E422, als Feuchthaltemittel und Aromaträger. Man findet es in Reinigungsmitteln, in pharmazeutischen Zubereitungen und in selbst angesetzter Seifenblasenlösung, wo es die Haltbarkeit des Films verlängert.
Aufbewahrung
Sehr stabil, hält es sich mehrere Jahre in verschlossener Flasche bei Raumtemperatur. Es ist hygroskopisch: Eine schlecht verschlossene Flasche nimmt Luftfeuchtigkeit auf, und das Glycerin verdünnt sich mit der Zeit.
Häufige Fragen
Glycerin oder Glycerol?
Dasselbe Molekül. «Glycerol» ist der chemische Name, «Glycerin» der handelsübliche. Die INCI nennt Glycerin.
Ist Glycerin pflanzlich?
In der Naturkosmetik meist ja, aus Palm-, Kokos- oder Rapsöl. Die INCI nennt die Herkunft jedoch nicht: Nur die Angabe des Herstellers gibt Aufschluss.
Welche Konzentration in einem Produkt?
Üblich sind 3 bis 10 %. Über 10 bis 15 % hinaus wird die Textur klebrig und der erwünschte Effekt kehrt sich um.
Warum steht es in so vielen INCI-Listen?
Weil es mehrere Funktionen zugleich erfüllt — Feuchthaltemittel, Lösungsmittel, Texturgeber — bei geringen Kosten.
Ist es ein Konservierungsmittel?
Nein. Eine wasserhaltige Zubereitung verlangt ein eigenes Konservierungsmittel.
Warum enthalten kaltgerührte Seifen Glycerin?
Die Verseifung setzt natürlicherweise Glycerol frei, das im Stück verbleibt. Industrieseifen entziehen es zum Weiterverkauf.
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