Lecithin
Lecithin ist kein einzelnes Molekül, sondern ein Gemisch aus Phospholipiden, hauptsächlich Phosphatidylcholin, begleitet von Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylinositol.
Der Name geht auf das griechische lekithos zurück, das Eigelb, aus dem der französische Chemiker Maurice Gobley es 1846 erstmals isolierte. Eigelb bleibt eine der reichsten natürlichen Quellen, doch handelsübliches Lecithin stammt nicht mehr daher.
Soja, Sonnenblume oder Raps
Heute bestimmen drei Quellen das Angebot, und die Unterscheidung steht in der INCI.
Sojalecithin (Lecithin, teils Glycine Soja Lecithin) ist das verbreitetste und günstigste. Es fällt als Koppelprodukt bei der Raffination von Sojaöl an.
Sonnenblumenlecithin (Helianthus Annuus Lecithin) gewinnt an Boden, nicht zuletzt weil es die Frage des Allergens Soja und jene gentechnisch veränderter Kulturen umgeht.
Rapslecithin gibt es ebenfalls, es bleibt jedoch randständig.
Die INCI nennt oft schlicht Lecithin, ohne Angabe der Herkunft. Nur der Hinweis des Herstellers gibt Aufschluss über die Quelle — eine Information, die bei einer Sojaallergie zählt.
Ein Molekül mit zwei Seiten
Darauf beruht sein ganzer Nutzen in der Formulierung. Ein Phospholipidmolekül besitzt einen hydrophilen Kopf mit Affinität zum Wasser und zwei lipophile Schwänze mit Affinität zu Fetten.
Zwischen eine Wasser- und eine Ölphase gebracht, richtet es sich an der Grenzfläche aus: Kopf im Wasser, Schwänze im Öl. So senkt es die Spannung zwischen beiden Phasen und erlaubt eine dauerhafte Mischung. Das ist das Prinzip eines Emulgators.
Dieselbe Struktur findet sich in Zellmembranen, die aus Phospholipid-Doppelschichten bestehen. Das erklärt seine Verwendung bei der Herstellung von Liposomen, Vesikeln, die in der Formulierung zum Transport bestimmter Verbindungen dienen.
Verfügbare Formen
Flüssiges Lecithin liegt als bernsteinbraune, zähe und klebrige Paste mit recht ausgeprägtem Geruch vor. Es ist die Rohform, die günstigste und am schwierigsten zu verarbeitende.
Lecithin als Pulver oder Granulat ist desodoriert und gereinigt, einfacher zu dosieren.
Hydriertes Lecithin (Hydrogenated Lecithin) ist durch Hydrierung stabilisiert. Es widersteht der Oxidation besser und ergibt stabilere Emulsionen — es ist die in hochwertiger Kosmetik meistverwendete Form.
Anwendung in der Kosmetik
Es dient als Emulgator in Cremes und Lotionen, wo es Fett- und Wasserphase verbindet. Man findet es in der Gesichtspflege, der Körperpflege und der Haarpflege.
Es wirkt zudem als Texturgeber und verleiht ein geschmeidiges, cremiges Hautgefühl, das anders nur schwer zu erreichen ist.
Für die Eigenherstellung lässt es sich mit Basiszutaten und Pflanzenölen verarbeiten. Üblich sind einige Prozent der Rezeptur, meist in Kombination mit einem weiteren Emulgator statt allein — eine Emulsion nur mit Lecithin ist wenig stabil.
Wichtig: Lecithin ist oxidationsempfindlich und kann ranzig werden. Eine Zubereitung damit enthält vorteilhaft ein Antioxidans wie Vitamin E, zusätzlich zu einem Konservierungsmittel, wenn Wasser enthalten ist.
Anwendung in Lebensmitteln
Lecithin ist ein Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E322, verwendet als Emulgator und Trennmittel. Man findet es in Schokolade, wo es die Masse fliessfähiger macht und den nötigen Anteil Kakaobutter senkt, sowie in Margarinen, Saucen und Backwaren.
Es gibt es auch als Nahrungsergänzungsmittel, was einem anderen Rahmen unterliegt als die kosmetische Verwendung oder jene als Zusatzstoff.
Vorsichtsmassnahmen
Soja gehört zu den deklarationspflichtigen Allergenen. Sojalecithin kann je nach Reinigungsgrad Spuren von Sojaproteinen enthalten.
Betroffene Personen sollten sich an der Produktkennzeichnung orientieren und im Zweifelsfall ärztlichen oder allergologischen Rat einholen. Sonnenblumenvarianten sind eine Alternative für alle, die diese Quelle meiden möchten.
Aufbewahrung
Lecithin oxidiert und wird ranzig. Es wird kühl, vor Licht und Luft geschützt in gut verschlossenem Gefäss aufbewahrt — sechs bis zwölf Monate für die flüssige Form, länger für Pulver und die hydrierte Form. Ein ranzig oder stechend gewordener Geruch zeigt an, dass es zu verwerfen ist.
Häufige Fragen
Woher stammt Lecithin?
Hauptsächlich aus Soja und Sonnenblume, seltener aus Raps. Isoliert wurde es im 19. Jahrhundert aus Eigelb, doch handelsübliches Lecithin stammt nicht mehr daher.
Wie erkenne ich, ob es aus Soja stammt?
Die INCI nennt oft schlicht Lecithin. Nur der Hinweis des Herstellers gibt Aufschluss — bei einer Allergie ist das entscheidend.
Wie funktioniert ein Emulgator?
Das Molekül hat einen Kopf, der Wasser mag, und Schwänze, die Öl mögen. An der Grenzfläche hält es beide Phasen zusammen.
Was unterscheidet hydriertes Lecithin?
Die Hydrierung macht es oxidationsbeständiger und ergibt stabilere Emulsionen. Es ist die in der Kosmetik meistverwendete Form.
Welche Dosierung bei der Eigenherstellung?
Einige Prozent der Rezeptur, meist mit einem weiteren Emulgator kombiniert. Allein ergibt es eine wenig stabile Emulsion.
Warum wird es ranzig?
Phospholipide oxidieren. Ein Antioxidans wie Vitamin E verlängert die Haltbarkeit einer Zubereitung damit.
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