Milchsäure
Milchsäure ist eine einfache organische Säure, 1780 vom schwedischen Chemiker Carl Wilhelm Scheele in saurer Milch entdeckt — daher ihr Name. Sie liegt als sirupartige, farblose bis hellgelbe Flüssigkeit vor und ist mit Wasser vollständig mischbar.
Trotz des Namens stammt die heute in Kosmetik und Lebensmitteln verwendete Milchsäure nicht aus Milch. Sie wird durch bakterielle Fermentation pflanzlicher Zucker gewonnen — Zuckerrübe, Mais, Zuckerrohr — mithilfe von Milchsäurebakterien der Gattung Lactobacillus. Sie ist damit mit einer veganen Formulierung vereinbar, was die Angabe des Herstellers bestätigt, wo sie vorhanden ist.
Zwei Formen, eine davon massgebend
Das Molekül kommt in zwei räumlichen Anordnungen vor, den Formen L und D.
Die L-Form wird von lebenden Organismen gebildet, auch vom menschlichen Körper bei muskulärer Anstrengung. Sie wird in der Kosmetik bevorzugt.
Die D-Form ist ihr Spiegelbild, ohne gleichwertige biologische Aktivität.
Die Mischung beider, racemisch oder DL genannt, ist verbreiteter und günstiger. Die INCI nennt schlicht Lactic Acid ohne nähere Angabe; nur das Datenblatt des Lieferanten gibt Aufschluss.
Die mildeste der AHA
Milchsäure gehört zur Familie der Alpha-Hydroxysäuren, zusammen mit Glykolsäure, Mandelsäure und Apfelsäure. Anders als die Salicylsäure, eine fettlösliche BHA, sind die AHA wasserlöslich.
Innerhalb dieser Familie ist ihr Molekül grösser als jenes der Glykolsäure, was ihr Verhalten in der Formulierung verändert — sie gilt allgemein als mildeste der gängigen AHA.
Sie wirkt zudem als Feuchthaltemittel, eine Eigenschaft, die die übrigen AHA nicht im selben Mass besitzen. Sie ist ein natürlicher Bestandteil des natürlichen Feuchthaltefaktors der Haut.
Zwei klar getrennte Verwendungen
Das muss man verstehen, um eine INCI zu lesen. Je nach Konzentration erfüllt Milchsäure zwei Aufgaben ohne Bezug zueinander.
Niedrig dosiert — einige Zehntelprozent — dient sie der pH-Einstellung. Das ist bei weitem die häufigste Verwendung. Sie steht dann am Ende der INCI-Liste, und ihre Anwesenheit bedeutet keinerlei Wirkstoffauslobung. Jede Emulsion, jedes Gel, jedes Shampoo muss im pH eingestellt werden, und Milchsäure gehört zu den dafür meistverwendeten Säuren.
In höherer Konzentration wird sie als exfolierender Wirkstoff eingesetzt, in Formulierungen mit kontrolliertem pH-Wert. Das ist eine regulierte Verwendung, bestimmten Produkten vorbehalten.
«Lactic Acid» in einer Liste zu sehen, sagt für sich genommen also nichts: Ihre Position in der Liste ist aufschlussreicher als ihre blosse Anwesenheit.
Anwendung in der Kosmetik
Als pH-Regulator steckt sie in einem grossen Teil des Sortiments: Gesichtspflege, Körperpflege, Haarpflege, Reinigungsprodukte und Gele.
Als Wirkstoff findet man sie in gezielten Seren und Lotionen.
Sie tritt auch als Salz auf, als Natriumlactat (Sodium Lactate), verwendet als Feuchthaltemittel und in der Seifenherstellung, um das Stück zu härten und das Entformen zu erleichtern — mit einigen Prozent der Wasserphase einer Seife.
Für die Eigenherstellung lässt sie sich mit Basiszutaten verarbeiten. Die pH-Einstellung verlangt ein Messgerät: Blind vorgenommen ergibt sie keinen Sinn.
Anwendung in Lebensmitteln
Milchsäure ist ein Lebensmittelzusatzstoff mit der Nummer E270, verwendet als Säureregulator und Konservierungsmittel. Sie entsteht natürlich in fermentierten Lebensmitteln — Sauerkraut, Joghurt, Sauerteig, milchsauer eingelegtes Gemüse —, wo sie durch Absenken des pH-Werts die Haltbarkeit sichert.
Vorsichtsmassnahmen
In konzentriertem Zustand ist Milchsäure ätzend und wird mit geeigneter Schutzausrüstung gehandhabt. Handelsübliche Zubereitungen sind verdünnt und bergen dieses Risiko nicht.
Als exfolierender Wirkstoff eingesetzt, kann sie die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. Während der Anwendungsdauer empfiehlt sich ein Sonnenschutz.
Die Kombination mit weiteren exfolierenden Wirkstoffen ist nicht harmlos. Bei reaktiver Haut, laufender dermatologischer Behandlung oder im Zweifelsfall ist ärztlicher, dermatologischer oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Sehr stabil, hält sie mehrere Jahre in verschlossener Flasche, vor Licht und Wärme geschützt. Sie ist hygroskopisch: Ein schlecht verschlossenes Gefäss nimmt Feuchtigkeit auf, und die Lösung verdünnt sich mit der Zeit.
Häufige Fragen
Stammt Milchsäure aus Milch?
Nein, längst nicht mehr. Sie wird durch bakterielle Fermentation pflanzlicher Zucker gewonnen — Zuckerrübe, Mais, Zuckerrohr — und eignet sich damit für vegane Formulierungen.
Was unterscheidet sie von Salicylsäure?
Milchsäure ist eine wasserlösliche AHA, Salicylsäure eine fettlösliche BHA. Dieser Löslichkeitsunterschied bestimmt die Art der Formulierung.
Warum steht sie in so vielen Produkten?
Meist als pH-Regulator, in einigen Zehntelprozent. Ihre Position am Ende der INCI-Liste zeigt das an.
Was sind die Formen L und D?
Zwei räumliche Anordnungen desselben Moleküls. Die L-Form ist jene lebender Organismen; die Mischung beider, DL genannt, ist verbreiteter und günstiger.
Wozu dient Natriumlactat in der Seifenherstellung?
Es ist das Salz der Milchsäure. Einige Prozent der Wasserphase härten das Stück und erleichtern das Entformen.
Macht sie die Haut lichtempfindlich?
Als exfolierender Wirkstoff eingesetzt ja. Während der Anwendungsdauer empfiehlt sich ein Sonnenschutz.
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