Salicylsäure
Salicylsäure ist eine organische Verbindung aus der Gruppe der Phenolsäuren. Ihr Name geht auf die Silberweide zurück, Salix alba, deren Rinde Salicin enthält — ein verwandtes Molekül, aus dem sie im 19. Jahrhundert erstmals gewonnen wurde. Natürlich kommt sie auch im Mädesüss und in der Gaultherie vor.
Die heute in der Kosmetik verwendete Salicylsäure wird synthetisch hergestellt; die pflanzliche Gewinnung erlaubt weder die nötigen Mengen noch die erforderliche Reinheit. Sie liegt als weisses kristallines Pulver vor, in Wasser wenig, in Alkohol und Fetten deutlich besser löslich.
Eine BHA — und was das bedeutet
Die in der Kosmetik eingesetzten Säuren teilen sich je nach Position ihrer Hydroxylgruppe in zwei Familien.
Die AHA, Alpha-Hydroxysäuren, sind wasserlöslich. Dazu gehören Milchsäure, Glykolsäure und Mandelsäure.
Salicylsäure ist der wichtigste Vertreter der BHA, der Beta-Hydroxysäuren. Ihre Besonderheit ist die Fettlöslichkeit: Anders als die AHA mischt sie sich mit Fetten. Dieser Löslichkeitsunterschied erklärt, weshalb beide in verschiedenartigen Formulierungen zum Einsatz kommen.
Ihr pKa-Wert ist mit rund 3 tief. Praktisch heisst das, dass ihr Verhalten in einer Formulierung stark vom pH-Wert der Zubereitung abhängt.
Natriumsalicylat und Weidenrinde
Zwei verwandte Stoffe erscheinen regelmässig in INCI-Listen und sind nicht mit ihr zu verwechseln.
Natriumsalicylat (Sodium Salicylate) ist das wasserlösliche Salz der Salicylsäure, unter anderem als Konservierungsmittel im Einsatz.
Der Weidenrindenextrakt (Salix Alba Bark Extract) enthält Salicin, den natürlichen Vorläufer, jedoch in geringen und schwankenden Gehalten. Er ist keine Salicylsäure, und Produkte, die ihn als «natürliche» Alternative herausstellen, lassen diesen Punkt oft im Unklaren.
Regulierte Konzentrationen
Das ist vor jedem Kauf zu wissen. Salicylsäure gehört zu den Stoffen, deren kosmetische Verwendung reguliert ist, mit Höchstkonzentrationen je nach Produktart — grosszügiger bei abzuspülenden als bei auf der Haut verbleibenden Produkten, und für bestimmte Kategorien noch strenger.
In Produkten für Kinder unter drei Jahren ist ihre Verwendung untersagt, ausgenommen Shampoos.
Konforme Fertigprodukte halten diese Grenzwerte ein; es handelt sich nicht um Empfehlungen, sondern um gesetzliche Schwellen. Für die in der Schweiz geltenden Werte ist auf die einschlägigen Texte abzustellen, wobei die Kosmetikverordnung in diesem Punkt auf die europäische Regelung verweist.
Anwendung in der Kosmetik
Man findet sie in gezielter Gesichtspflege, in Reinigungsprodukten und Lotionen sowie in bestimmten Haarpflegeprodukten für die Kopfhaut. Ebenso tritt sie als Konservierungsmittel auf, wo sie eine andere Rolle spielt als die eines Wirkstoffs.
Für die Eigenherstellung ist sie nicht gedacht: Der Umgang mit dem reinen Pulver, die pH-Kontrolle und die Einhaltung der gesetzlichen Konzentrationen gehören in eine professionelle Formulierung.
Vorsichtsmassnahmen
Salicylsäure gehört zu den Inhaltsstoffen, für die je nach Konzentration und Produktart eine besondere Kennzeichnung vorgeschrieben sein kann. Die Angaben auf der Verpackung sind zu beachten.
Von der Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit wird ohne vorgängige Beratung abgeraten. Personen mit einer Salicylatallergie oder unter Aspirin-Therapie sollten dies berücksichtigen.
Die Kombination mit weiteren exfolierenden Wirkstoffen ist nicht harmlos. Bei laufender dermatologischer Behandlung, reaktiver Haut oder im Zweifelsfall ist vor der Anwendung ärztlicher, dermatologischer oder pharmazeutischer Rat einzuholen.
Aufbewahrung
Produkte mit Salicylsäure werden nach Angaben des Herstellers aufbewahrt, vor Licht und Wärme geschützt. Eine Veränderung von Farbe oder Geruch zeigt an, dass das Produkt zu verwerfen ist.
Häufige Fragen
Woher stammt Salicylsäure?
Ihr Name geht auf Salix alba zurück, die Silberweide, deren Rinde Salicin enthält. Die kosmetisch verwendete wird heute synthetisch hergestellt.
Was unterscheidet AHA von BHA?
AHA sind wasserlöslich, die BHA Salicylsäure ist fettlöslich. Dieser Unterschied bestimmt, in welcher Art Formulierung sie eingesetzt werden.
Ist Weidenrindenextrakt gleichwertig?
Nein. Salix Alba Bark Extract enthält Salicin in geringen, schwankenden Gehalten. Salicylsäure ist das nicht.
Gibt es eine Konzentrationsgrenze?
Ja. Salicylsäure ist ein regulierter Stoff mit Höchstkonzentrationen je nach Produktart und einem Verbot in Produkten für Kinder unter drei Jahren, ausgenommen Shampoos.
Lässt sie sich in Eigenherstellung verwenden?
Davon ist abzuraten. pH-Kontrolle und Einhaltung der gesetzlichen Schwellen gehören in eine professionelle Formulierung.
Ist sie für alle geeignet?
Nein. Schwangerschaft, Stillzeit, Salicylatallergie, laufende dermatologische Behandlung oder reaktive Haut rechtfertigen eine vorgängige ärztliche Abklärung.
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